Ausweichpflichten und Windseite

Du lernst, wie Windseite, Fahrzeugart und besondere Einschränkungen entscheiden, wer bei Kollisionsgefahr ausweichen muss.

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Luv und Lee verstehen

Luv ist die dem Wind zugekehrte Seite, Lee die abgewandte Seite.
Luv und Lee beschreiben keine feste Bootsseite wie rechts oder links. Die Begriffe beziehen sich immer auf den Wind. Die Luvseite ist die dem Wind zugekehrte Seite, die Leeseite ist die dem Wind abgewandte Seite.

Wenn der Wind von deiner rechten Seite kommt, ist deine rechte Seite Luv. Dreht der Wind oder ändert das Boot den Kurs, kann sich die Luvseite ändern. Deshalb darfst du Luv und Lee nie mit und gleichsetzen.
Der schnelle Test
Frage nicht: Welche Seite ist rechts? Frage: Von welcher Seite kommt der Wind? Die dem Wind zugekehrte Seite ist Luv, die andere Seite ist Lee.

Segler untereinander

Bei Kollisionsgefahr zwischen zwei Segelfahrzeugen fragst du zuerst:

1. Kommt der Wind bei beiden von derselben Seite?
Dann gilt: Luv weicht Lee.
Das bedeutet: Das Boot, dass dem Wind näher ist, weicht aus 
oder
wenn ich das andere Boot lee-seitig sehe, weiche ich aus,
oder
wenn  ich das andere Boot luv-seitig sehe, halte ich Kurs.


2. Kommt der Wind von verschiedenen Seiten?
Dann gilt: Backbordbug weicht Steuerbordbug.
Das bedeutet: Das mit Wind von muss dem mit Wind von ausweichen.
Segler untereinander nach Windseite und Luv-Lee-Regel einordnen.
Luvwärtig bedeutet: Das Fahrzeug liegt näher an der Windseite. Leewärtig bedeutet: Das Fahrzeug liegt weiter auf der windabgewandten Seite. Die Regel schützt die klare Rollenverteilung; das luvwärtige Fahrzeug hält sich frei vom leewärtigen Fahrzeug.
Die Antworten mit Wind von oder Wind von gehören zu einer anderen Segelregel, nämlich zu Begegnungen mit Wind von verschiedenen Seiten. In dieser Einheit geht es um den Fall, dass beide den Wind von derselben Seite haben.

Einschränkungen unterscheiden

manövrierunfähig
Ein Fahrzeug ist manövrierunfähig, wenn es wegen außergewöhnlicher Umstände, zum Beispiel Ausfall der Ruder- oder Maschinenanlage, nicht so wie vorgeschrieben manövrieren und daher einem anderen Fahrzeug nicht ausweichen kann.
manövrierbehindert
Ein Fahrzeug ist manövrierbehindert, wenn es wegen der Art seines Einsatzes behindert ist und deshalb nicht so wie vorgeschrieben manövrieren und daher einem anderen Fahrzeug nicht ausweichen kann.
Der Unterschied ist wichtig: Manövrierunfähig klingt nach einem Problem oder Ausfall, manövrierbehindert nach einer Aufgabe, die das Fahrzeug gerade ausführt. Ein Ruderausfall passt zur Manövrierunfähigkeit; eine Tätigkeit, die den Bewegungsraum einschränkt, passt zur Manövrierbehinderung.
Ein fischendes Fahrzeug mit Netzen, Leinen, Schleppnetzen oder anderen Fanggeräten ist ein eigener Fall. Auch ein Fahrzeug, das wegen seines Tiefgangs eingeschränkt ist, ist nicht automatisch manövrierunfähig oder manövrierbehindert im Sinn dieser beiden Definitionen.

Maschinenfahrzeug ordnet sich ein

Im freien Seeraum oder außerhalb des Fahrwassers muss ein bei Kollisionsgefahr gegenüber bestimmten Fahrzeugarten ausweichen. Dazu gehören Segelfahrzeuge, manövrierunfähige Fahrzeuge, manövrierbehinderte Fahrzeuge und fischende Fahrzeuge.
Die Logik ist nicht, dass das immer stärker oder schneller ist. Die Logik ist, dass es in diesen Begegnungen typischerweise besser aktiv manövrieren kann als das andere Fahrzeug oder eine klarere Ausweichpflicht trägt.
Einzelmaßnahmen wie nur Fahrt verringern, nur nach drehen oder nur vorsichtig weiterfahren können in der Praxis Teil eines Manövers sein. Die Regelantwort ist aber klarer: Das muss ausweichen.

Segel und Fischerei

Auch ein muss im freien Seeraum oder außerhalb des Fahrwassers einem fischenden Fahrzeug ausweichen, wenn Kollisionsgefahr besteht. Die Sonderstellung des fischenden Fahrzeugs geht hier vor der normalen Segelregel.
Das ist der Punkt, an dem die Reihenfolge der Entscheidung wichtig wird. Erst erkennst du die Fahrzeugart und besondere Tätigkeit, dann wendest du die passende Ausweichregel an. Nicht jede Begegnung mit einem wird allein über Luv und Lee gelöst.
Reihenfolge der Entscheidung
Prüfe zuerst besondere Fahrzeugarten oder Einschränkungen. Wenn es um zwei Segelfahrzeuge ohne solche Sonderrolle geht, liest du die Windseite.

Sichere Durchfahrt freihalten

Bei bestimmten gekennzeichneten Fahrzeugen lautet die entscheidende Verhaltensregel: Die sichere Durchfahrt des Fahrzeugs darf nicht behindert werden. Die Regel verlangt freie, sichere Durchfahrt; die passende Passierseite ergibt sich aus der Situation.
Sichere Durchfahrt freihalten bedeutet, dass du früh genug Raum lässt, deine Fahrt und deinen Kurs so wählst, dass das andere Fahrzeug seinen notwendigen Weg sicher fortsetzen kann, und keine Lage erzwingst, in der es ausweichen müsste.
Die Prüfungsfalle ist, eine konkrete Passierseite zu suchen. Wenn die Frage auf sichere Durchfahrt zielt, ist die richtige Handlung nicht „an vorbei“, sondern: nicht behindern.

Zusammenfassung

  • Die Luvseite ist die dem Wind zugekehrte Seite; die Leeseite ist die dem Wind abgewandte Seite.
  • Luv und Lee hängen von der Windrichtung ab und sind nicht dasselbe wie und .
  • Wenn zwei Segelfahrzeuge den Wind von derselben Seite haben, muss das luvwärtige Fahrzeug dem leewärtigen Fahrzeug ausweichen.
  • Ein manövrierunfähiges Fahrzeug kann wegen außergewöhnlicher Umstände, zum Beispiel Ruder- oder Maschinenausfall, nicht regelgerecht ausweichen.
  • Ein manövrierbehindertes Fahrzeug kann wegen der Art seines Einsatzes nicht regelgerecht ausweichen.
  • Ein muss bei Kollisionsgefahr einem , einem manövrierunfähigen Fahrzeug, einem manövrierbehinderten Fahrzeug und einem fischenden Fahrzeug ausweichen.
  • Ein muss bei Kollisionsgefahr einem fischenden Fahrzeug ausweichen.
  • Wenn die sichere Durchfahrt eines gekennzeichneten Fahrzeugs freizuhalten ist, darfst du diese Durchfahrt nicht behindern und suchst keine feste Passierseite.

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