Peilung und Position

Du lernst, was eine Peilung in der terrestrischen Navigation ist, wie daraus durch Eintragen der rechtweisenden Peilung eine Standlinie entsteht und wie du Positionen (Breite/Länge) sauber aus der Seekarte abliest und in die Karte einträgst.

Kursnavigation

Peilung und Standlinie

Terrestrische Navigation mit Peilungen funktioniert grafisch: Du misst die Richtung zu einem bekannten, feststehenden Objekt (z. B. Leuchtturm, Kirchturm, Tonne mit eindeutiger Kennung). Diese Richtung trägst du als Linie in die Seekarte ein. Diese Linie heißt Standlinie (Positionslinie): Dein Boot liegt irgendwo auf dieser Linie. Mit einer zweiten Standlinie (von einem anderen Objekt) bekommst du durch den Schnittpunkt deine Position.
Peilung zu einem festen Objekt erzeugt eine Standlinie in der Karte.

Grundbegriffe

Peilung (terrestrisch)
Das Feststellen der Richtung eines bekannten feststehenden Objektes durch Winkelmessung.
Standlinie
Eine in die Seekarte eingetragene Linie, auf der sich das Fahrzeug befinden muss. Bei einer einzelnen ist das die Linie, die zur gemessenen Richtung passt (grafisch als Rückpeilung durch das gepeilte Objekt gezeichnet).
rechtweisend
Auf den geografischen Norden (rwN) bezogen. In der Seekarte arbeitest du für Standlinien mit rechtweisenden Richtungen; dafür muss eine gemessene Kompasspeilung ggf. um Missweisung/Deviation berichtigt werden.

Kurs ist nicht Peilung

Der häufigste Denkfehler ist die Verwechslung von Kurs und . Ein Kurs beschreibt, wohin dein Boot fahren soll. Eine beschreibt, in welcher Richtung ein bekanntes feststehendes Objekt von dir aus liegt.
  • Kurs: Richtung der Fahrt oder geplanten Kurslinie.
  • : Richtung zu einem bekannten Objekt, gemessen als Winkel.
  • Standlinie: Linie in der Seekarte, die aus einer rechtweisenden entsteht. Dein Boot liegt irgendwo auf dieser Linie.
Typischer Fehler
Einen rechtweisenden Kurs als Standlinie eintragen.
Richtig gedacht
Eine Standlinie entsteht aus der rechtweisenden zu einem Objekt, nicht aus dem Fahrkurs.

Von MgP zu rwP

In den offiziellen Aufgaben steht häufig eine Magnetkompasspeilung (MgP). Diese darfst du nicht direkt in die Seekarte zeichnen. Die Karte arbeitet rechtweisend, also brauchst du zuerst die rechtweisende (rwP).
  1. Peilobjekt und MgP abschreiben: erst Objektname, dann Winkel notieren.
  2. Ablenkung mit Vorzeichen übernehmen: eine angegebene Ablenkung von +5° bleibt +5°, eine Ablenkung von -2° bleibt -2°.
  3. Missweisung aus der Karte übernehmen: östliche Missweisung ist positiv, westliche Missweisung negativ.
  4. rwP je Objekt berechnen: rwP = MgP + Ablenkung + Missweisung.
  5. Erst danach zeichnen: nur die rechtweisenden Peilungen werden als Standlinien in die Seekarte eingetragen.
Erst rechnen, dann zeichnen
Wenn du eine MgP als Standlinie einträgst, zeichnest du eine Linie mit falschem Nordbezug. Die Zeichnung kann sauber aussehen und trotzdem falsch sein.

Geometrie der Richtung

Wenn du zu einem festen Objekt eine Richtung misst, dann ist klar: Alle Punkte, von denen aus das Objekt unter genau dieser Richtung liegt, liegen auf einer einzigen Linie in der Karte. Zeichnest du diese Linie (Standlinie), reduzierst du deinen möglichen Aufenthaltsort von „irgendwo auf dem Wasser“ auf „irgendwo auf dieser Linie“. Mit einer zweiten Standlinie von einem anderen Objekt bleibt als gemeinsamer Ort praktisch nur noch der Schnittpunkt.
Merksatz für die Karte
Gemessen wird die Richtung vom Boot zum Objekt. In die Karte zeichnest du die Standlinie durch das Objekt in der passenden Richtung (grafisch als Rückpeilung), damit die Linie durch deine unbekannte Position laufen kann.

Peilwerte sauber führen

Eine ist am Ende immer eine Gradzahl mit Objektbezug. In Aufgaben bekommst du den Wert entweder als Kompasspeilung vorgegeben, musst ihn aus der Karte abnehmen oder aus einem gezeichneten Bezug ableiten. Entscheidend ist: Objektname und Winkel bleiben zusammen.
  • Notiere zuerst das Objekt, dann den Peilwert, zum Beispiel: Tonne ST – rwP 241°.
  • Nutze Werte von 0° bis 360° und schreibe sie als Richtung, nicht als Seitenangabe wie „an “.
  • Wenn der Wert als MgP gegeben ist, wird er zuerst in rwP umgerechnet. Erst die rwP gehört in die Seekarte.
  • Wenn mehrere Objekte beteiligt sind, darfst du Peilwerte nicht vertauschen; sonst schneiden sich später die falschen Standlinien.

Standlinien eintragen

Beim Eintragen ist die Zeichentechnik selten das Problem – der typische Fehler ist die falsche Übernahme der Winkel-Bezugslinie. Achte deshalb auf eine feste Reihenfolge:
  • Nimm die rechtweisende (falls du eine Kompasspeilung hast: erst berichtigen, dann eintragen).
  • Setze das Kursdreieck/Lineal so an, dass es sich an der Nordrichtung (Meridian/Kompassrose) der Karte orientiert.
  • Trage die Richtung als Linie durch das gepeilte Objekt ein (Rückpeilung), damit die Standlinie durch deine unbekannte Position laufen kann.
  • Verlängere die Linie ausreichend weit in den Bereich, in dem dein Boot plausibel liegt (damit ein Schnittpunkt mit einer zweiten Standlinie möglich ist).

Position ablesen

Eine geografische Position besteht aus Breite (N/S) und Länge (E/W). In der Seekarte liest du sie an den Kartenrändern ab: Breite an den seitlichen Skalen, Länge an den oberen/unteren Skalen (je nach Kartenausschnitt). Entscheidend ist, die Werte an den richtigen Rändern zu nehmen und sauber zu interpolieren.
  • Ziehe vom Punkt eine gedachte Linie zur Breitenskala (seitlicher Kartenrand) und lies Grad/Minuten ab.
  • Ziehe vom Punkt eine gedachte Linie zur Längenskala (oberer/unterer Kartenrand) und lies Grad/Minuten ab.
  • Achte darauf, ob die Karte Minuten in Zehntel/Teilstrichen darstellt, und lies entsprechend genau ab.

Position eintragen

Beim Eintragen einer Position ist sauberes Übertragen wichtiger als Tempo: Du trägst zuerst eine Koordinate ab (z. B. Breite), dann die andere (Länge) und markierst den Schnittpunkt. Nutze dabei immer die Kartenbezugsrichtung (Meridiane/Parallelen) als Führung, nicht „nach Augenmaß“.
  • Trage die Breite von der seitlichen Skala ins Kartenfeld ab (entlang einer Linie parallel zum Äquator/zu den Breitenlinien).
  • Trage die Länge von der oberen/unteren Skala ins Kartenfeld ab (entlang einer Linie parallel zu den Meridianen).
  • Markiere den Schnittpunkt und beschrifte ihn (z. B. mit Uhrzeit oder Positionsname), damit er später eindeutig bleibt.

Arbeitsfolge: Peilung zu Position

Die einzelnen Tätigkeiten gehören zusammen: Aus Peilwerten werden rechtweisende Standlinien, aus Standlinien wird eine beobachtete Position, und aus dieser Position liest du Breite und Länge ab.
  1. Peilwerte vorbereiten: Objekt und Peilwert sauber notieren; MgP bei Bedarf in rwP umrechnen.
  2. Standlinien zeichnen: jede rwP durch das richtige Peilobjekt eintragen.
  3. Schnittpunkt bestimmen: zwei passende Standlinien ergeben die beobachtete Position.
  4. Position ablesen: Breite an der seitlichen Skala, Länge an der oberen oder unteren Skala ablesen.
  5. Position eintragen: eine vorgegebene Koordinate über Breiten- und Längenskala in die Karte übertragen und eindeutig markieren.
Selbstkontrolle
Bei jeder Standlinie prüfst du: richtiges Objekt, rechtweisender Winkel, Linie durch das Objekt in der richtigen Richtung. Bei Koordinaten prüfst du: Breite seitlich, Länge oben oder unten.

Kompaktes Beispiel

Du siehst einen Leuchtturm und peilst ihn. Aus der berichtigen (rechtweisenden) zeichnest du in der Karte eine Standlinie durch den Leuchtturm. Danach peilst du einen Kirchturm und zeichnest die zweite Standlinie durch den Kirchturm. Der Schnittpunkt der beiden Linien ist deine Position. Von diesem Punkt kannst du anschließend Breite und Länge an den Kartenrändern ablesen oder umgekehrt eine vorgegebene Position eintragen.
Zwei Standlinien schneiden sich zur Position.

Häufige Fehler

  • Wenn du eine als „Entfernung“ interpretierst, zeichnest du keine Standlinie und bekommst keine nutzbare Positionsinformation.
  • Wenn du statt der rechtweisenden einen rechtweisenden Kurs einträgst, entsteht eine Linie, die nichts mit deiner Lage zum Objekt zu tun hat; der Schnittpunkt mit einer zweiten Linie liefert eine falsche Position.
  • Wenn du beim Eintragen den Nordbezug falsch übernimmst (z. B. am falschen Gradkreis ausgerichtet), ist die Standlinie systematisch verdreht; der Fehler bleibt auch bei sauberem Zeichnen bestehen.
  • Wenn du Breite und Länge an den falschen Kartenrändern abliest oder vertauschst, landet die Position schnell um viele Seemeilen daneben.

Zusammenfassung

  • Eine ist die Richtung zu einem bekannten feststehenden Objekt durch Winkelmessung.
  • Kurs und sind verschieden: Kurs ist , ist Richtung zu einem Objekt.
  • Kompasspeilungen werden vor dem Eintragen in rechtweisende Peilungen umgerechnet; die Seekarte arbeitet rechtweisend.
  • Eine Standlinie entsteht, wenn du die rechtweisende durch das richtige Peilobjekt in die Karte einträgst.
  • Zwei passende Standlinien ergeben durch ihren Schnittpunkt eine beobachtete Position.
  • Positionen liest oder setzt du als Breite und Länge über die richtigen Kartenränder; sauberes Abtragen ist wichtiger als Tempo.

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