Kurse, Koppelort und Distanz

Du lernst, Kurse sauber nach Bezugsrichtung zu unterscheiden (rechtweisend, missweisend/magnetisch), einen Kurs korrekt in die Seekarte einzutragen und aus Kurs, Fahrt und Zeit den Koppelort sowie Distanz, Fahrtdauer, Geschwindigkeit und Besteckversetzung zu bestimmen.

Kursnavigation

Bezugsrichtung klären

In Navigationsaufgaben scheitert man selten am Rechnen, sondern daran, welcher Nordbezug gerade gemeint ist. Klare deshalb zuerst, ob du mit der Seekarte, mit magnetisch Nord oder mit dem Magnetkompass arbeitest.
  • rw bedeutet: Bezug auf rechtweisend Nord, also geografisch Nord in der Seekarte.
  • mw bedeutet: Bezug auf magnetisch Nord; hier ist die Missweisung bereits berücksichtigt.
  • Mg bedeutet in diesen Aufgaben: Magnetkompass; hier kommt zusätzlich die Ablenkung des Kompasses ins Spiel.
  • Alles, was du in die Seekarte einträgst, muss am Ende rechtweisend sein.
Aufgabentyp lesen
Wenn nach dem rwK gefragt ist, rechnest du von einem Kompass- oder Magnetwert zur Karte. Wenn nach dem MgK gefragt ist, rechnest du von der Kartenrichtung zurück zum Magnetkompasskurs.

Kursbegriffe

rwK (rechtweisender Kurs)
Kurswinkel gegen rechtweisend Nord, also gegen geografisch Nord. Das ist der Kurs, den du in der Seekarte abträgst oder aus der Seekarte abliest.
mwK (missweisender Kurs)
Zwischenwert gegen magnetisch Nord. Er entsteht aus dem rwK durch Berücksichtigung der Missweisung.
MgK (Magnetkompasskurs)
Kurs, der am Magnetkompass anliegt. Er entsteht aus dem mwK durch Berücksichtigung der Ablenkung. Wenn eine Ablenkung angegeben ist, darfst du MgK nicht mit mwK gleichsetzen.
Missweisung (Mw)
Winkel zwischen rechtweisend Nord und magnetisch Nord. In Aufgaben wird sie aus der Seekarte entnommen oder vorgegeben.
Ablenkung
Kompassfehler des konkreten Schiffes. In den Navigationsaufgaben ist sie meist mit Vorzeichen angegeben und wird zwischen mwK und MgK berücksichtigt.
Koppelort
Arbeitsort auf der Karte, den du aus letzter bekannter Position, rechtweisendem Kurs und gefahrener Strecke konstruierst.

Kursrechnung: rwK, mwK und MgK

Missweisung als Winkelverschiebung zwischen geografisch Nord und magnetisch Nord.
Die Kursrechnung hat zwei verschiedene Korrekturen: Missweisung zwischen Seekarte und magnetisch Nord sowie Ablenkung zwischen magnetisch Nord und Magnetkompass. Rechne deshalb nicht in einem gedanklichen Sprung, sondern halte die Richtung der Umrechnung fest.
Mit Vorzeichen rechnen
Verwende Missweisung und Ablenkung mit ihrem Vorzeichen. Östliche Missweisung ist positiv, westliche Missweisung negativ. Eine angegebene Ablenkung von +4° bleibt +4°, eine Ablenkung von -2° bleibt -2°.
  • Vom Magnetkompass zur Karte: rwK = MgK + Ablenkung + Missweisung.
  • Von der Karte zum Magnetkompass: MgK = rwK - Missweisung - Ablenkung.
  • Zwischenwert: mwK liegt zwischen beiden Rechnungen. Ohne Ablenkung haben mwK und MgK denselben Zahlenwert; mit Ablenkung nicht.
  • Kurswinkel liegen zwischen 0° und 360°. Werte über 360° werden um 360° vermindert; negative Werte werden um 360° erhöht.
Typischer Fehler
Den MgK nur mit der Missweisung berechnen und die angegebene Ablenkung ignorieren.
Richtig gedacht
Bei MgK-Aufgaben immer beide Korrekturen prüfen: Missweisung aus der Karte und Ablenkung des Magnetkompasses.

Kurs in die Seekarte eintragen

Eine Kurslinie ist eine Gerade durch den Ausgangspunkt mit dem richtigen Winkel zur Nordrichtung. In der Seekarte nimmst du den Winkel gegen das Gradnetz (Meridiane) oder an der Kompassrose ab und zeichnest dann die Linie in .
  • Ausgangspunkt markieren (z. B. gegebene Position).
  • Kurswinkel als rechtweisenden Kurs verwenden (falls ein magnetischer Kurs gegeben ist: vorher umrechnen).
  • Winkel an einem Meridian (Nord-Süd-Linie) oder an der rechtweisenden Skala der Kompassrose abtragen.
  • Linie durch den Punkt ziehen und mit einem Pfeil die kennzeichnen.

Distanz, Zeit und Geschwindigkeit

Für viele Aufgaben brauchst du nur die drei Grundgrößen: Strecke s (in Seemeilen, sm), Geschwindigkeit v (in Knoten, kn = sm/h) und Zeit t (in Stunden). Wenn du die Einheiten sauber hältst, ist die Rechnung immer eindeutig.
  • Strecke: s = v × t (wenn v in kn und t in Stunden, dann s in sm).
  • Zeit: t = s ÷ v (Ergebnis in Stunden; Minuten = Stundenanteil × 60).
  • Geschwindigkeit: v = s ÷ t (t in Stunden; z. B. 30 min = 0,5 h).
Einheiten-Check
1 kn = 1 sm pro Stunde. Wenn du Minuten gegeben hast, rechne zuerst in Stunden um (z. B. 18 min = 0,3 h). So vermeidest du die häufigste Fehlerquelle bei Zeit- und Geschwindigkeitsaufgaben.
Bei Distanz-, Zeit- und Geschwindigkeitsaufgaben ist die Rechnung kurz; der kritische Punkt sind fast immer die Einheiten. Lies die Distanz sauber aus Karte oder Aufgabe ab und rechne Minuten vor der Formel in Stunden um.

Koppelort und Besteckversetzung

Koppelort aus Ausgangsposition, Kurs und Strecke.
Der Koppelort entsteht aus Ausgangsposition + Kurs + zurückgelegter Strecke. Zeichnerisch ist das: Kurslinie ab Ausgangspunkt, darauf die Strecke abtragen, Endpunkt ist der Koppelort.
  • 1) Strecke berechnen oder aus der Aufgabe übernehmen (s = v × t).
  • 2) Kurslinie ab Ausgangspunkt eintragen (in der Karte rechtweisend).
  • 3) Strecke entlang der Kurslinie mit Zirkel/Lineal abtragen → Endpunkt = Koppelort.
  • 4) Besteckversetzung ist der Vektor vom Koppelort zum tatsächlichen Ort (z. B. beobachtete Position): Richtung und Länge zeigen, wie weit und wohin du versetzt wurdest.
Die Besteckversetzung beschreibt die Abweichung zwischen geplantem und tatsächlichem Ort. Du bestimmst sie, indem du Koppelort und Ist-Ort sauber vergleichst: Richtung und Länge des Pfeils zeigen, wohin und wie weit das Schiff versetzt wurde.

Arbeitsfolge in der Navigationsaufgabe

Wenn die Einzelteile sitzen, wird daraus eine Arbeitsfolge. In den Navigationsaufgaben mischen sich Kartenarbeit und Rechnung: erst den gesuchten Wert bestimmen, dann sauber in die Karte übertragen oder weiterrechnen.
  1. rwK bestimmen: Kursrichtung aus der Karte oder aus der Verbindung zweier Punkte rechtweisend bestimmen.
  2. Kurs eintragen: den rwK als Kurslinie durch den Ausgangspunkt zeichnen und die markieren.
  3. MgK berechnen: vom rwK zur Kompassanzeige zurückrechnen: Missweisung und Ablenkung mit Vorzeichen berücksichtigen.
  4. Distanz messen: Strecke mit Zirkel abnehmen und an der Breitenskala auf Höhe der Strecke in Seemeilen ablesen.
  5. Zeit oder Geschwindigkeit berechnen: mit sm, kn und Stunden arbeiten; Minuten vorher oder nachher sauber umrechnen.
  6. Koppelort bestimmen: auf der Kurslinie die gefahrene Strecke abtragen und den erwarteten Ort als Koordinate ablesen.
  7. Besteckversetzung bestimmen: Pfeil vom Koppelort zur beobachteten Position messen; Richtung und Distanz angeben.
Kartenarbeit und Rechnung trennen
Ein sauberer Zahlenwert ersetzt keine Karteneintragung, und eine saubere Linie ersetzt keine Rechnung. In der Prüfung werden beide Arten von Arbeit abgefragt.

Beispielablauf

Beispielablauf ohne konkrete Kartenzahlen: Du hast eine Ausgangsposition, einen Magnetkompasskurs, eine Ablenkung, die Missweisung aus der Karte sowie Fahrt und Zeit.
  1. Magnetkompasskurs mit Ablenkung und Missweisung in den rechtweisenden Kurs umrechnen.
  2. Den rechtweisenden Kurs in die Seekarte eintragen.
  3. Strecke aus Fahrt und Zeit berechnen: kn × h = sm.
  4. Strecke auf der Kurslinie abtragen; der Endpunkt ist der Koppelort.
  5. Wenn zusätzlich eine beobachtete Position gegeben ist, misst du die Besteckversetzung als Pfeil vom Koppelort zur beobachteten Position: Richtung plus Distanz.
Typischer Fehler
Einen Magnetkompasskurs direkt gegen das geografische Gradnetz der Seekarte eintragen.
Richtig gedacht
Vor dem Eintragen rechnest du einen Magnetkompasskurs mit Ablenkung und Missweisung in einen rechtweisenden Kurs um.

Plausibilitätscheck

Mit diesen Schritten kannst du auf See auch ohne GPS eine plausible Position fortschreiben und deine Planung prüfen: Stimmt die gefahrene Strecke zur Zeit? Liegt der Koppelort dort, wo du ihn erwartest? Wenn Koppelort und beobachtete Position auseinanderliegen, zeigt die Besteckversetzung sofort, ob du z. B. durch Strom seitlich versetzt wurdest – und in welche Richtung du deinen Kurs anpassen musst.

Zusammenfassung

  • Ein Kurs ist nur eindeutig, wenn der Nordbezug klar ist: rwK für die Seekarte, mwK als magnetischer Zwischenwert, MgK als Magnetkompasskurs.
  • Für Karteneinträge brauchst du rechtweisende Werte; Magnetkompasswerte werden vor dem Zeichnen mit Ablenkung und Missweisung umgerechnet.
  • Für MgK-Aufgaben rechnest du von der Kartenrichtung zurück zur Kompassanzeige und berücksichtigst Missweisung und Ablenkung mit Vorzeichen.
  • Der offizielle Ablauf umfasst typischerweise: rwK bestimmen, Kurslinie eintragen, MgK berechnen, Distanz messen, Zeit/Fahrt berechnen, Koppelort bestimmen und Besteckversetzung messen.
  • Zeit-Weg-Geschwindigkeit mit sauberen Einheiten: 1 kn = 1 sm/h; s = v × t, t = s ÷ v, v = s ÷ t.
  • Koppelort: Ausgangsposition + rechtweisender Kurs + gefahrene Strecke auf der Kurslinie abtragen.
  • Besteckversetzung: Pfeil vom Koppelort zur tatsächlichen Position; Richtung und Länge zeigen, wohin und wie weit du versetzt wurdest.

Lernkarten

0 von 6 Fragen gewusst

Gehe durch die Lernkarten und markiere ehrlich, was du schon konntest und was noch nicht saß.

Arbeitsübungen

3 Übungen

Diese Übungen isolieren einzelne Arbeitsweisen, damit du Quellenwahl, Werkzeug und typische Fehler beherrschst, bevor du komplette Prüfungsaufgaben angehst.