Seekarte lesen: Zeichen, Eintragungen und Distanzen

In dieser Einheit geht es um die Kartenarbeit vor der Rechnung: eine Tonne, einen Leuchtturm, eine Kartenstelle oder eine Strecke in der Seekarte finden und die gefragte Angabe sauber ablesen. Du unterscheidest dabei vier Arbeitsaufträge: Distanz messen, Schifffahrtszeichen beschreiben, Bedeutung erklären und Karteneintragung deuten.

Kursnavigation

Worum es hier geht

Viele Navigationsaufgaben beginnen mit einer Kartenstelle. Du musst zuerst wissen, was in der Seekarte gesucht ist: ein benanntes Schifffahrtszeichen, ein Leuchtturm, eine Eintragung, eine Position oder eine Strecke.
Danach entscheidet der Arbeitsauftrag über die Antwort. Beschreiben heißt Merkmale nennen. Bedeutung erklären heißt die nautische Funktion nennen. Karteneintragung deuten heißt Symbol, Abkürzung, Tiefenzahl oder Kartenfarbe übersetzen. Distanz messen heißt mit dem Zirkel an der Breitenskala ablesen.
  1. Kartenstelle finden: Name, Position, Richtung oder Distanz aus der Aufgabe übernehmen.
  2. Arbeitsauftrag erkennen: Distanz messen, Zeichen beschreiben, Bedeutung erklären oder Eintragung deuten.
  3. Kartenangabe lesen: Nur die Merkmale verwenden, die am Objekt oder an der Kartenstelle erkennbar sind.
  4. Antwort notieren: Mit Einheit, Kennung oder vollständiger Bedeutung, je nachdem was gefragt ist.

Seemeilen in der Seekarte

Distanzen brauchst du schon beim Kartenlesen: Aufgaben verweisen zum Beispiel auf eine Eintragung 0,6 sm südwestlich einer Tonne oder auf eine Stelle nach einer bestimmten Strecke. Dafür musst du Seemeilen direkt aus der Seekarte abnehmen können.
1 Breitenminute = 1 Seemeile
In der Seekarte entspricht 1′ Breite einer Seemeile. Darum liest du Distanzen am rechten oder linken Kartenrand ab: an der seitlichen Breitenskala.
Der rechte und linke Kartenrand zeigen die Breite. Der obere und untere Kartenrand zeigen die Länge. Eine Minute Länge ist in unseren Breiten keine Seemeile, weil die Längengrade zu den Polen hin zusammenlaufen.
Die Höhe am Kartenrand ist wichtig, weil der Maßstab einer Mercator-Seekarte von der Breite abhängt. Lies die Zirkelöffnung deshalb an der seitlichen Breitenskala ungefähr auf derselben waagerechten Höhe ab wie deine gemessene Strecke oder Kartenstelle.

Distanzen messen und ablesen

Der Handgriff ist kurz: Strecke mit dem Zirkel aufnehmen, Zirkelöffnung halten, an der Breitenskala auf gleicher Höhe ablesen, Ergebnis in sm notieren.
Zirkelspitzen auf zwei Kartenpunkte setzen.
1. Strecke aufnehmen
Setze die Zirkelspitzen auf die beiden Kartenpunkte, zwischen denen du die Entfernung wissen willst.
2. Zirkelöffnung halten
Hebe den Zirkel ab, ohne die Öffnung zu verändern. Die Öffnung ist jetzt deine Kartenstrecke.
Zirkelöffnung an der seitlichen Breitenskala auf gleicher Höhe ablesen.
3. Seitlich ablesen
Setze die unveränderte Zirkelöffnung an die linke oder rechte Breitenskala, ungefähr auf gleicher Höhe wie die gemessene Strecke.
4. Seemeilen notieren
Zähle die Breitenminuten zwischen den Zirkelspitzen. 1′ Breite = 1 sm. Eine Öffnung von 3,5′ entspricht also 3,5 sm.
So übst du es
Nimm in deiner Übungskarte zwei gut erkennbare Punkte, öffne den Zirkel auf diese Strecke und lies die Entfernung an der seitlichen Breitenskala ab. Notiere das Ergebnis in sm.

Kartenobjekte auswerten

Bei Kartenobjekten liest du eine konkrete Kartenstelle und lieferst genau die Art von Kartenbefund, die verlangt ist. Die drei häufigsten Fälle sind Beschreibung, Bedeutung und Karteneintragung.
Schematische Tonne ST mit rot-weißen Streifen, rotem Ball und Kartenangabe ST Iso.8s.
Tonne "ST"
Der Name ST und die Lichtkennung Iso.8s sind getrennte Kartenangaben.
1. Zeichen beschreiben: Tonne "ST"
"ST" ist der Name der Tonne. Die Kartenangaben daneben liefern die beschreibbaren Merkmale: Iso.8s ist die Lichtkennung, RW die rot-weiße Farbgebung, das Symbol zeigt das Toppzeichen. Für eine Beschreibung liest du diese Angaben getrennt, statt aus dem Namen eine Bedeutung abzuleiten.
Schematische Nord-Kardinaltonne NGN mit zwei Kegeln Spitze oben.
Tonne "NGN"
Nord-Kardinal-Zeichen, sichere Seite im Norden.
2. Bedeutung erklären: Tonne "NGN"
Gefragt ist die nautische Funktion. Schwarz über gelb und zwei Kegel mit Spitze nach oben ergeben ein Nord-Kardinal-Zeichen: Die Gefahrenstelle wird nördlich der Tonne sicher umfahren.
Schematische Karte mit Tonne Helgoland-O und Wrackeintragung 53,6 Meter südwestlich davon.
Karteneintragung
von "Helgoland-O" zur beschriebenen Stelle gehen und dort die Eintragung deuten.
3. Karteneintragung deuten: Eintragung bei "Helgoland-O"
Der Objektname ist hier der Startpunkt. Du gehst von der Tonne zur beschriebenen Kartenstelle und liest dort die Eintragung: Wrack mit Kartentiefe 53,6 m.
  1. Beschreiben: Name, Symbol und Lichtangabe getrennt lesen: "ST" ist der Objektname; "Iso.8s" beschreibt die Lichtkennung, "RW" die Farbgebung.
  2. Bedeutung erklären: Schreibe, welche Orientierung das Zeichen gibt: zum Beispiel Fahrwassermitte, Zufahrt, sichere Seite oder Gefahrenseite.
  3. Karteneintragung deuten: Schreibe, was die Eintragung bedeutet: zum Beispiel Wrack mit 53,6 m Kartentiefe, Stromraute, Hindernis oder Watt.
  4. Bei Ortsangaben: Suche zuerst die beschriebene Stelle in der Karte und lies dann genau dort die Eintragung.

Objektkarten aus Aufgabe 13

Diese Objektkarten sind aus der sauberen Kartenquelle zu Navigationsaufgabe 13 genommen. Sie zeigen die Arbeitsweise: Stelle im Kartenbild finden, Kartenangaben trennen, dann nur die gefragte Aussage formulieren.
Kartenausschnitt aus Aufgabe 13 mit der Tonne ST und der Beschriftung Iso.8s ST RW.
Aufgabe 13
Tonne ST im Kartenbild.
Nahansicht der Kartenbeschriftung Iso.8s ST RW an der Tonne ST.
Nahansicht
Name, Kennung und Farbangabe stehen dicht beieinander, bedeuten aber Unterschiedliches.
Objektkarte: Tonne "ST"
"ST" ist der Name der Tonne. Die Lichtkennung steht daneben als eigene Angabe: Iso.8s bedeutet Gleichtaktfeuer mit 8 Sekunden Wiederkehr. RW kennzeichnet die rot-weiße Farbgebung. Das Toppzeichen liest du am Symbol: roter Ball. Für eine Beschreibungsfrage gehören diese Teile getrennt in die Antwort: Farbe, Kennung, Toppzeichen.
Kartenausschnitt aus Aufgabe 13 mit Helgoland-O und Wrackeintragung südwestlich davon.
Aufgabe 13
Helgoland-O als Startpunkt für die Kartenstelle.
Nahansicht der Wrackeintragung mit 53,6 Meter Kartentiefe südwestlich von Helgoland-O.
Nahansicht
Die Eintragung ist nicht die Tonne, sondern das Wrack südwestlich davon.
Objektkarte: "Helgoland-O"
Der Name führt dich zuerst zur Tonne. Wenn die Aufgabe nach einer Eintragung südwestlich davon fragt, beantwortest du nicht die Tonne selbst, sondern die beschriebene Kartenstelle. In diesem Ausschnitt ist dort ein Wrack mit 53,6 m Kartentiefe eingetragen. Der Arbeitsschritt ist: Name finden, Richtung zur beschriebenen Stelle gehen, genau diese Eintragung lesen.
Warum als Objektkarte?
Die Einheit soll nicht alle Zeichen auswendig erklären. Sie zeigt an echten Ausschnitten, wie Kartenangaben zusammenspielen. Das vollständige Objektwissen gehört danach in einen eigenen Katalog: Objektname, echter Kartenausschnitt, sichtbare Merkmale, Bedeutung und typische Aufgabenform.

Zusammenfassung

  • Erst finden, dann beantworten: Name, Position, Richtung oder Distanz führen dich zur richtigen Kartenstelle.
  • Seemeilen: Distanzen liest du an der seitlichen Breitenskala ab; 1′ Breite entspricht 1 sm.
  • Beschreiben: Name, Farbe, Kennung und Toppzeichen getrennt ablesen. Beispiel: "ST" ist der Name; "Iso.8s" ist die Lichtkennung; "RW" weist auf die rot-weiße Farbgebung.
  • Bedeutung erklären: die Funktion nennen, zum Beispiel sichere Seite, Zufahrt, Fahrwassermitte oder Gefahr.
  • Karteneintragung deuten: die konkrete Kartenangabe benennen, zum Beispiel Wrack mit 53,6 m Kartentiefe, Stromraute, Hindernis oder Watt.

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